1/6/2004

Redewendungen

mittelalterlich


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Redewendungen haben eine festen Platz in userem Alltag. Oft unbememerkt genutzt, haben sie dennoch eine eigene Entwicklungsgeschichte.

Sie finden hier eine Sammlung von Redewendungen, die einen Bezug zum Mittelalter und KEINEN zum Rittertum haben. Dieser Bezug kann natürlich auch falsch sein!

Die "ritterlichen" Redewenungen werden explizit behandelt.

Zu jeder Redewendung versuche ich die aktuellen umgangssprachliche Bedeutung, sowie die Entstehung zu erläutern:

Inhalt:

Kein Aufhebens machen
Ins Bett steigen
Etwas auf dem Kerbholz haben
Etwas im Schilde führen
Ein Spießbürger sein
Den Spieß umdrehen
Die Tafel aufheben

Quellen


Aufhebens

Kein Aufhebens machen

Etwas nicht beachten oder schätzen.

Der Ursprung ist wohl bei den Schaufechtern zu suchen. Bei diesen Schaukämpfen wurden die Waffen (Degen, Schwerter...) in einer umständlichen und überflüssigen Zeremonie zunächst auf den Boden gelegt, dann deren Länge verglichen etc.

Erst nach diesem "Vorspiel" wurden die Waffen "aufgehoben" und der eigentliche Kampf konnte beginnen.


Bett

Ins Bett steigen

Wegen Ungeziefer (Flöhen und Ratten) wurden die Betten möglichst hoch gebaut und oft auf drei Seiten mit Brettern oder Wänden abgeschlossen. Die so entstehende Schlafkammer war nur über kleine Treppen zu erreichen.


Kerbholz

Etwas auf dem Kerbholz haben

Schulden haben bzw. etwas angestellt und diese Schuld noch nicht verbüßt haben.

1) Geschäfte mit einem Menschen, der nicht schreiben konnte, wurden als Einkerbungen in zwei Hölzern festgehalten, so dass jede Seite ein Holz mit identischer Kerbe als Rechtsmittel besaß.

2) Anstatt zu bezahlen wird eine Kerbe in einen Kerbholz geschnitzt.


Schild führen

Etwas im Schilde führen

Heimlich etwas planen.

1) Eine Waffe heimlich hinter dem Schild führen, meistens einen Dolch. Dieser wird dann in einem unerwarteten Moment genutzt, um den Gegner zu überwinden.
2) Vorzugeben man hätte nur eine Schutzwaffe (den Schild), aber die Waffe hinter diesem Schild verstecken.
3) - mit Gegendarstellung: Diese Redewendung hatte ursprünglich eigentlich eine eher positive Bedeutung. Um sich im Turnier und im Kampf zu erkennen zu geben, führte man ein entsprechendes Wappen im Schild. Man führte also sein Zeichen im Schild. Man zeigte sozusagen Gesicht.
4) Ein Handwerker oder Zunftangehöriger (entsprach ungefähr den heutigen Gewerkschaften) hängte ein Schild mit seinem Symbol, wie der Brezel für einen Bäcker, vor seiner Tür auf, um seine Dienste anzubieten.

Wodurch die Redewendung die negative Bedeutung von 'etwas verheimlichen' erhielt, konnte ich bisher noch nicht nachvollziehen.
Möglicherweise nahm es den Umweg über 'Böses im Schild führen'. Dieses bedeutete ursprünglich vielleicht weniger, dass der Angreifer an sich böse Absichten hatte, sondern einfach, dass der Angriff eines starken Gegners (den man am Wappen im Schild erkennen konnte) im Kampf eben nichts Gutes bedeutete. Das 'Böse' fiel irgendwann weg und übrig blieb 'etwas im Schilde führen' mit seinem schlechten Image.


Spießbürger

Ein Spießbürger sein

Sehr konservativ sein (im negativen Sinne).

Spießbürger wurden Stadtbewohner (Bürger) genannt, die ihre Stadt mit dem Spieß in der Hand verteidigen konnten.

Unterscheiden muss man in allgeine Stadtbewohner und Bürger, was keinesfalls identisch ist. In Köln bestand die Bürgerschaft hauptsächlich aus Stadtadel, Kaufleuten (oft identisch), Handwerkern (Zünfte und Gilden), sowie dem Klerus.
Diese Bürger bestimmten über die Stadt, verteidigten Sie aber auch.

Davon leiten sich noch etliche weiter Wörter ab, wie z.B.: Spießer, spießig, Spießbürgertum, Spießgeselle ...

Siehe auch den Spieß umderehen.


Spieß

Den Spieß umdrehen

Eine Attacke gegen den Angreifer verwenden bzw. Erlittenes jemandem anderen zufügen.

Einem Angreifer wurde der Spieß (ein langer Speer) entwendet, dann umgedreht und gegen ihn verwendet.
Hächst vermutlich ist diese Redewendung erst zur Zeit der Landsknechte entstanden.


Tafel

Die Tafel aufheben

Die Mahlzeit beenden.

Die mittelalterlichen Tische waren eine bewegliche Konstruktion aus Böcken (Tragegestellen) und großen Tischplatten. War die Mahlzeit beendet, wurde die Platte hinausgetragen und so der Tisch abgeräumt.


Quellen

Neben vielen Freunden und Bekannte, die mir ihre Redewenungen mitgeteilt haben, habe ich noch den Duden und folgende Internetseiten konsultiert:

http://www.etymologie.info/_n/in-plan35.html

http://www.redensarten-index.de/suche.php4

http://www.wispor.de/wpx-rede.htm#sprache-redensarten